Haben Hunde Heuschnupfen?

Während die meisten von uns Frühling und Frühsommer begrüßen, als wären sie lang vermisste Freunde, beginnt für Heuschnupfengeplagte die Leidenszeit: Die Pollen fliegen, die Augen tränen, die Nase juckt und läuft. Eine Qual. Auch immer mehr Hunde, so hört man, leiden an Heuschnupfen. Aber stimmt das wirklich?

Ja und nein, meint das Team um Professor Andreas Moritz, Leiter der Klinik für Kleintiere und Innere Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Tatsächlich gibt es Hunde (und Katzen), die ähnliche Symptome zeigen wie Heuschnupfen-geplagte Menschen. Tierärzte sprechen hier von einer nasolakrimalen Dermatitis oder allergischen Rhinitis. Betroffene Tiere quälen sich meist mit einer Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis) und / oder einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis), die sich oft als wässriger Nasenausfluss und vermehrte Tränenbildung bemerkbar macht. Die Krankheit tritt recht selten auf. Und es finden sich auch nur sporadische Berichte, die darauf hindeuten, dass tatsächlich Pollen die Beschwerden auslösen. Viel wahrscheinlicher sind andere Ursachen. „Hier wird vor allem ein Zusammenhang mit der Exposition gegenüber Schimmelpilzen vermutet“, berichten die Experten der Uni Gießen.

Juckreiz statt Schnupfen

Und doch gibt es ihn, den Heuschnupfen bei Hunden. Nur eben ohne Schnupfen. Fachleute nennen es eine umweltassoziierte atopische Dermatitis. Ursache sind Umweltallergene wie Gräserpollen, die der Hund über die Haut aufnimmt oder einatmet. Die Krankheit äußert sich durch stark juckende Hautstellen, Quaddeln und Pusteln insbesondere an Pfoten, Unterbauch und am Kopf. An jenen Köperpartien also, die besonders intensiv mit Pollen in Berührung kommen, wenn der Vierbeiner durchs hohe Gras tobt.

Aktuelle Zahlen, wie viele Bellos in Deutschland an „Hundeheuschnupfen“ leiden, gibt es derzeit nicht. Wohl aber einige Schätzungen und Studienergebnisse, die das Ausmaß andeuten. Rund 10 bis 15 Prozent aller Hunde leben mit einer atopischen Dermatitis, schätzen Experten. Bei gut einem Viertel von ihnen ist die Erkrankung umweltassoziiert, wird also durch Pollen verursacht. Das legt zumindest eine aktuelle und großangelegte Studie aus Australien nahe. Unterm Strich ist Hundeheuschnupfen also weit verbreitet – und weiter auf dem Vormarsch. „Die Anzahl an Hunden, die eine Überempfindlichkeit gegenüber Pollen entwickeln, scheint in den letzten Jahren anzusteigen“, bestätigt auch das Experten-Team der Uni Gießen.

Fakt ist: Atopische Dermatitis ist eine Erbkrankheit, gleich ob die umweltassoziierte oder die futtermittelinduzierte Form. Wer mit betroffenen Hunden züchtet, trägt also zur Verbreitung der Krankheit bei.

Tierarzt muss Ursachen für dauerhaften Juckreiz abklären

Juckreiz, Quaddeln und Pusteln beim Hund können freilich viele Ursachen haben. Bedeutet: Verschwinden Hautveränderungen und Juckreiz nicht schnell wieder, solltest du mit deinem Hund unbedingt zum Tierarzt oder zur Tierärztin gehen. Und die müssen zunächst andere Ursachen ausschließen. Denn hier kommt vieles infrage, vom Milbenbefall über Flohspeichelallergie und Futtermittelunverträglichkeiten bis hin zur chronisch-entzündlichen Hauterkrankung. Bis zur Diagnose kann einige Zeit vergehen, vor allem, wenn schließlich noch zwischen umweltbedingter und futtermittelbedingter atopischer Dermatitis unterschieden werden muss. Beide Formen zeigen identische Symptome. Hier schafft eine Ausschlussdiät nach klaren ärztlichen Vorgaben Klarheit.

Allergietest ähnelt dem beim Menschen

Grundsätzlich verläuft der Allergietest beim Hund nicht anders als beim Menschen. Ärzte injizieren mögliche Allergene wie zum Beispiel Pollenextrakte von Gräsern oder Bäumen in ein freigeschorenes Hautareal. Entstehen Rötungen oder bilden sich Quaddeln, gilt die Allergie als bestätigt. „Insgesamt sollte berücksichtigt werden“, so die Gießener Experten, „dass Hunde meist keine singuläre Überempfindlichkeit gegenüber einem bestimmten Allergen zeigen, sondern empfindlich gegenüber einer Vielzahl verschiedener Allergene sind.“

Was lässt sich gegen „Hundeheuschnupfen“ ausrichten? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ist Heuschnupfen beim Hund heilbar?

Leider nein. Atopische Dermatitis ist eine chronische lebenslange Erkrankung, gleich ob sie durch Pollen oder bestimmte Inhalte im Futter ausgelöst wird. Liegt’s am Futter, kann der Hund symptomfrei leben, wenn er Futter ohne die betreffenden Allergene bekommt. Beim Heuschnupfen ist es oft deutlich schwerer, einen Kontakt mit den Auslösern zu verhindern.

Was kann ich als Halter für meinen Heuschnupfen-Hund tun?

Die vielleicht wichtigste Regel: Als Halter solltest du eng mit deinem Tierarzt, deiner Tierärztin zusammenarbeiten. Denn mit der Diagnose und dem Start der Therapie beginnt ein lebenslanges Management der Krankheit. Dazu gehört auch, dass du regelmäßig mit deinem vierbeinigen Patienten zu Kontrolluntersuchungen gehst.

Durch die Zugabe von omega-3 und omega-6 ungesättigten Fettsäuren in das Futter deines Hundes verstärkst du seine Hautbarriere gegen eindringende Allergene.

In der Heuschnupfen-Saison hilfst du deinem Hund, wenn du ihm nach dem Spaziergang Fell und Pfoten mit einem feuchten Tuch abwischt und auch deine eigene Kleidung wechselst. So trägst du weniger Allergene in die Wohnung. Auch solltest du deinen allergiegeplagten Freund in der Pollenzeit häufiger waschen.

Die Spaziergänge solltest du nach Möglichkeit auf die Zeit direkt nach einem Regenguss legen. Dann ist die Pollenkonzentration in der Luft am niedrigsten.

Was kann der Tierarzt gegen „Hundeheuschnupfen“ tun?

Jeder Hund ist in unterschiedlichem Ausmaß von der Krankheit betroffen. Prinzipiell verschreiben Tierärzte juckreizstillende Medikamente – und helfen dem Halter ein Hundeleben lang, den individuell besten Umgang mit der Krankheit zu finden und zu managen.

In einigen Fällen wird dir dein Tierarzt, deine Tierärztin zu einer Hyposensibilisierung raten. Diese Therapie wird auch Menschen verordnet. Die meisten Leute kennen sie unter dem Begriff „Desensibilisierung.

Welche Erfolgsaussichten hat eine Hyposensibilisierung beim Hund?

Bei der Hyposensibilisierung, einer allergenspezifischen Immuntherapie (kurz ASIT), werden dem Hund Extrakte der Allergene, auf die er sensibel reagiert, in schrittweise ansteigender Dosierung verabreicht. Die Extrakte werden entweder in das Unterhautfettgewebe gespritzt oder in die Kniekehllymphknoten. Nach Angaben der Gießener Fachleute zeigen tatsächlich 60 bis 80 Prozent der so behandelten Hunde eine Besserung der Juckreizsymptomatik.

Doch die Hyposensibilisierung ist in der Regel kein One-Hit-Wonder. In den meisten Fällen wird sie als lebenslange Dauertherapie immer wieder angewendet. Nur in seltenen Fällen kann sie nach einer oder mehreren Behandlungen beendet werden, und der Therapieerfolg bleibt auch nach Absetzen bestehen.

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