Können alle Hunde schwimmen?

Anders als wir Menschen müssen Hunde Schwimmen nicht erst lernen. Doch einige Rassen sind im Wasser klar im Nachteil. Ob dein Hund gerne schwimmt, liegt auch an dir. Du kannst einiges dafür tun, aus einem Wassermuffel einen Schwimmfan zu machen. Nur erzwingen kannst du gar nichts.

Unsere Erfahrungen mit verschiedenen Hunden und Rassen, Hintergrundinfos und Tipps unserer Tierärtz:innen haben wir hier zusammengetragen.

Warum (fast alle) Hunde schwimmen können, Welpen aber nicht

Amos nach seinem ersten unfreiwilligen Schwimmabenteuer.

Unser Amos war gerade vier Monate alt, da spazierten wir mit dem rumänischen Hütehundmix um einen See voller Entengrütze. Der Pflanzenteppich auf dem recht tiefen Weiher war so dicht, dass er Amos wohl als begehbar erschien. Wir konnten gar nicht so schnell gucken, da war Amos schon kopfüber hineingeplumpst. Es dauerte nur eine Schrecksekunde lang, bis der Kleine wieder auftauchte und – den Kopf voller Grütze – ans rettende Ufer paddelte. Da wussten wir: Unser Hund kann schwimmen.

Was wir damals noch nicht wussten: Hunde müssen Schwimmen nicht erst lernen. Die Fähigkeit ist ihnen im eigentlichen Sinne aber auch nicht angeboren. Vielmehr machen sie im Wasser das, was sie auch an Land tun: Sie laufen einfach weiter. Der natürliche Bewegungsablauf und ihr fürs Schwimmen vorteilhafter Körperbau sorgen dafür, dass die meisten Vierbeiner oben bleiben, Hunde genauso wie beispielsweise Kühe, Pferde, Katzen oder Schweine. Als aufrechter Zweibeiner mit unterschiedlich langen Extremitäten und labilem Gleichgewicht sind wir ihnen hier klar unterlegen.

Warum Hunde schwimmen können, erklärt auch, warum Welpen nicht schwimmen können. In den ersten Lebenswochen können sich die Kleinen kaum auf den Pfoten halten, stolpern über ihre Beine, fallen hin. Solange der Hund nicht sicher läuft, kann er den Bewegungsablauf auch nicht sicher im Wasser fortsetzen – und droht zu ertrinken. Deshalb solltest du deinen Welpen am Wasser immer im Blick behalten.

Können also alle halbwegs erwachsenen und gesunden Hunde schwimmen? Wir wissen aus unserem Hundefreundeskreis, dass es tatsächlich seltene Ausnahmen von der Regel gibt. Offenbar sind diese absoluten Nichtschwimmer-Hunde so überfordert vom Element Wasser, dass ihr normales Verhalten aussetzt und nicht mal der Fluchtinstinkt greift. Schockstarre statt Weglaufen – was im Wasser dazu führt, dass der Hund untergeht.

3 Faustregeln für Hunde und Schwimmen

  • Nicht vor dem 4. Lebensmonat ans Schwimmen heranführen
  • Nie zum Schwimmen nötigen. Erst mal den Spaß am Nass entdecken lassen. Dafür tut`s ein Bach, ein flaches Ufer oder auch ein sparsam gefüllter Hundepool. Selbst vorangehen, ein Spielzeug ins Wasser werfen oder einen anderen Hund als Schwimmlehrer nutzen. Immer Wasser mit Spaß verbinden, nie mit Druck. Und immer den Hund entscheiden lassen, ob er rein und wann er wieder rausgeht.
  • Auf Wassertemperatur achten. Wie kalt zu kalt ist, unterscheidet sich von Hund zu Hund. Als Faustformel gilt: je kleiner und zierlicher der Wauzi und je dünner sein Fell, umso schneller friert er im Wasser. Für die meisten Hunde sind Wassertemperaturen ab 15 bis 17°C fürs Planschen und Schwimmen risikolos. Verausgabt sich der Hund dagegen im zu kalten Wasser, drohen schmerzhafte Erkrankungen wie etwa die Wasserrute.

 

Welche Hunde sind schlechte Schwimmer?

Mit unseren drei Hunden Carama (Rhodesian Ridgeback), Moya (Spanischer Schmecker, Sabueso Español) und Hanni (Estrela Berghund, Cão de Serra de Estrela) machten wir oft Urlaub im niederländischen Zeeland. Nur einmal während unserer Urlaube dort achteten wir bei einem Standspaziergang nicht auf die Flut – und sahen uns plötzlich eingeschlossen auf einer winzigen Sandbank. Der einzige Weg zurück führte uns durch einen tiefen, vollgelaufenen Priel. Obwohl wir damals an einem See lebten, war keiner unserer erwachsenen Hunde jemals geschwommen, schon gar nicht unser rassebedingt wasserscheuer Ridgeback. Jetzt mussten sie es.

Mit hoher Selbstverständlichkeit folgen sie uns in den Priel und schwammen hindurch, an den Leinen, damit sie nicht abtrieben. Dabei zeigte sich sofort, welcher Hund hier im Nachteil war. Hanni mit ihrem recht kurzen Hals und dem superdicken Fell hatte am meisten zu kämpfen. Moya kamen ständig ihre überlangen Ohren in die Quere, die ihr von der Strömung auch mal über die Augen gespült wurden. Carama, unser Wasserhasser Nummer 1, schwamm mühelos, fast elegant.

Die Beobachtung des ungleichen Trios decken sich mit dem, was Experten sagen.

Nachteile beim Schwimmen haben …

  • Hunde mit besonders dichtem Behang und dickem Fell, das sich mit Wasser vollsaugt. Das Fell eines Neufundländers, zum Schwimmen gezüchtet, ist zwar ebenfalls sehr dicht, aber wasserundurchlässig.
  • gedrungene Hunde mit kurzem Hals
  • kurzschnauzige Rassen, denen das Atmen schwerfällt.

Kommen mehrere dieser Faktoren zusammen wie etwa bei Bulldogge oder Mops, macht das einen Hund in der Regel zum schlechten Schwimmer. Auch Dackel zum Beispiel müssen sich im Wasser deutlich mehr bemühen als langbeinige Hunde mit längerem Hals.

Wenn ein Hund keine Rute hat, schränkt das seine Schwimmqualitäten nicht ein. Im Gegenteil. Unserer Hanni war die sehr lange und stark befiederten Rute beim Schwimmen durch den Priel eher im Weg.

Wer einen begeisterten Schwimmer mit überlangen und / oder befiederten Schlappohren hat, zum Beispiel einen klassischen Laufhund, einen Flat Coated Retriever oder einen Setter, sollte seinem Vierbeiner nach dem Bad die Ohren trocknen. Bleibt Wasser in den Gehörgängen zurück, drohen Entzündungen. Eine unserer Hundefreundinnen klappt ihrem Flat Coated Retriever nach dem Schwimmen die Ohren zurück und hält sie mit einer Haarklammer (befestigt an Haarsträhnen, nicht an den Hundeohren selbst!!!) in dieser Stellung, bis die Gehörgänge wirklich trocken sind.

Brauchen Hunde eine Schwimmweste?

Wir haben beobachtet: Es schwimmen ohnehin nur solche Hunde, die das aufgrund von Körperbau und Neigung sehr gerne, sehr gut und sehr sicher tun. Eine Schwimmweste wäre ihnen nur hinderlich. Ihre Leute müssen freilich dafür sorgen, dass es risikolos bleibt, also die Strömung nicht zu stark ist oder sich der Vierbeiner gemessen an seiner Kondition nicht zu weit vom Ufer entfernt. Vor allem sollten Hunde nur dort ins Wasser, wo sie aus eigener Kraft wieder hinauskommen. Jedes Jahr ertrinken etliche Hunde, weil sie in Kanäle mit Spundwänden springen – und es ertrinken Menschen beim Versuch, das geliebte Tier zu retten.

Es gibt jedoch Umstände, unter denen Schwimmwesten nach Meinung von Experten angeraten sind:

  • Kanufahren mit Hund. Beim Kanufahren seid ihr im für den Hund tiefen Wasser unterwegs. Außerdem kann das Boot kippen, der Hund drunter geraten. Alles nicht sehr wahrscheinlich, wenn man ein paar Regeln beachtet. Mit Schwimmweste ist es aber einfach sicherer, gerade für die schlechten Schwimmer.
  • SUP mit Hund. Hier gilt weitgehend das Gleiche wie für das Kanufahren.
  • Urlaub auf dem Hausboot. Geht der Vierbeiner von Bord, fällt er tief. Hinzu kommt der Schreck, möglicherweise auch Unterströmungen von anderen Booten. Mit Schwimmweste kannst du diese besondere Urlaubsform mit Hund entspannter genießen. Mehr zum Hausbooturlaub mit Hund erfährst du hier.

Unser Amos hat sich nach seinem ersten unfreiwilligen Schwimmabenteuer übrigens zu einem absoluten Wasserfan entwickelt. Er tobt und planscht mit Ausdauer, steckt sogar seinen Kopf unter Wasser – solange er nicht schwimmen muss. Hier ist er bis heute skeptisch geblieben.

 

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