Wandern mit Welpen: Wie schütze ich meinen jungen Hund vor Überforderung?

Gerade junge Hunde kennen oft keine Grenzen, wenn es um körperliche Aktivität geht. Sie toben, rennen und spielen, bis sie wortwörtlich umfallen. Kein Problem, wenn das Ganze vor der Haustür passiert und der Hund es nur noch bis in seinen Korb schaffen muss. Aber was ist, wenn er während einer Wanderung schlapp macht? Wie lang darf eine Wanderung mit einem jungen Hund sein? Ab welchem Alter kann ich anstrengende Touren mit Hund planen?

„Das hängt zunächst mal von der Größe des Hundes ab“, sagt Tierärztin Stephanie Rothin. „Kleine Hunde sind schneller körperlich entwickelt als große, dementsprechend ist ihr Bewegungsapparat ab etwa einem Jahr ausreichend stabil. Bei größeren Hunden kann das bis zu zwei Jahren dauern.“ Bei kleinen Hunden geht man davon aus, dass sie mit etwa einem Jahr fit genug sind, um auch längere Wanderungen mit den entsprechenden Pausen gut mitmachen können.

Vorsicht bei Wachstumsschüben

Dazu kommen die Momente, in denen der junge Hund Wachstumsschübe durchmacht. In diesen Phasen ist er nur reduziert belastbar. Das ist gut nachvollziehbar, denn in diesen Wachstumsschüben siehst du schon, dass dein Hund hinten schneller wächst als vorne oder umgekehrt. Klar, dass mit diesen körperlichen Einschränkungen keine langen Touren möglich sind. Wenn du deinen jungen Hund überforderst, gibt es zwei ernsthafte Risiken. Das eine besteht darin, dass die Muskulatur vor Ende der Wanderung schlapp macht oder die Konzentration nachlässt. Abgesehen davon, dass dein Hund möglicherweise die Lust am Wandern verliert, sind Fehltritte mit hohem Verletzungsrisiko die mögliche Folge. Leider treffen wir auch immer mal wieder Hunde, die aufgrund eines solchen Unfalls über viele Monate außer Gefecht gesetzt waren. Von den Schmerzen und den Behandlungskosten mal ganz abgesehen.

Das zweite Risiko besteht in einem übermäßigen Verschleiß, der im Alter zu Gelenkerkrankungen und Rückenproblemen führen kann. Allerdings gibt es auch hier – wie so oft in der Wissenschaft unterschiedliche Ansätze. Der amerikanische Tierorthopäde, Sportmediziner und Rehabilitationsexperte Dr. Darryl L. Millis hat in einer groß angelegten Studie gezeigt, dass Ausdauerbewegungen auch beim jungen Hund eher förderlich sind für Knorpelwachstum und Knorpelsteifigkeit. Der Kieler Dogscooting-Experte Andreas Fuchs hat sich die Mühe gemacht, diese Abhandlung zu übersetzen. Damit würde die alte Faustregel, dass Hunde pro Lebensmonat etwa 5 Minuten am Stück aktiv sein sollen in Frage gestellt. Denn es geht laut Millis eher um die Art, als um die Dauer der Bewegung. Und natürlich hängt viel von der Genetik und den individuellen körperlichen Voraussetzungen deines Welpen ab. Wenn du hier unsicher bist, solltest du vorher Rücksprache mit deiner Tierärztin/deinem Tierarzt halten.

Touren sorgfältig planen

Eine Tour mit deinem jungen Hund solltest du auf jeden Fall sorgfältig planen. Neben der Einschätzung, ob eine Tour leicht, mittel oder schwer ist, muss die Länge der geplanten Strecke für deinen Hund passen. Und du solltest geeignete Orte für Pausen festgelegt haben. Genauso wie einen fixen Punkt, an dem du – anhand der Verfassung deines jungen Hundes – festlegst, ob du umkehrst oder die Tour beendest. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, bei anspruchsvollem Gelände oder mit dem ersten fordernden Ausflug in die Berge zu warten, bis der Hund seine endgültige Körpergröße erreicht hatte. Diese „Schonung“ in jungen Jahren wird sich auszahlen, weil du lange Freude an einem gesunden und ausgeglichenen Sportpartner hast!

Wenn du mit deinem Hund nicht nur wandern, sondern auch auf Reisen gehen möchtest mit Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt, solltest du ihn früh ans Autofahren und Campen gewöhnen. Dafür ist er nie zu jung. 🙂

 

Tierärztin Dr. Stephanie Rothin mit Pferd und Hund

 

Dr. Stephanie Rothin ist Tierärztin aus München. Nach Examen und Promotion hat sie sich intensiv mit integrativen Therapiemöglichkeiten beschäftigt. Durch ihr Studium und ihre ergänzende Ausbildung an der International Academy of Veterinary Chiropractic ist sie spezialisiert auf Erkrankungen des Bewegungsapparats und deren schonende Behandlung.

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