The PooPick

Genau wie vermutlich viele von euch, ärgern wir uns täglich über die vielen Plastikbeutel, die wir brauchen, um den Kot unserer Hunde ordentlich zu entsorgen. Wir haben deshalb mal recherchiert und die aus unserer Sicht besten Möglichkeiten zusammengefasst, um Plastik zu vermeiden. (Die ganze Geschichte und unsere Empfehlungen findet ihr hier.)

Christian Salzmann von PooPick

Dabei sind wir auf Christian Salzmann und sein Startup PooPick gestoßen.

Christian saß 2017 mit zwei Freunden in einem Biergarten und hat einen Hundebesitzer dabei beobachtet, wie er mühselig mit einer Plastiktüte den Haufen aufgesammelt hat. „Das muss doch auch besser gehen“, dachten sich die drei. Keiner hatte zu diesem Zeitpunkt einen Hund, aber alle hatten über ihre Jobs bei einem Gerätehersteller für die Tiermedizin mit Tieren zu tun.

Aktuell ist Christian die treibende Kraft hinter dem Unternehmen, die anderen beiden beteiligen sich mit dem Support im Hintergrund und liefern weiter gute Ideen.

Ökologischer Aspekt

Neben dem guten Handling geht es Christian vor allem um die Nachhaltigkeit seines Produkts. „Wenn ich schon etwas auf den Weg bringe, dann so, dass auch meine Kinder davon profitieren“, beschreibt der 40-jährige seinen Antrieb.

Er wollte einen Beutel, der keinen der Nachteile der bisherigen Kotbeutel aufweist. Deshalb besteht der PooPick zu 70% aus FSC-zertifiziertem Altpapier. „Eine Produktion aus 100 % Altpapier reduziert die Stabilität und würde beispielsweise bei Durchfall keine hygienische Sicherheit bieten“, erklärt Christian. Also werden die fehlenden 30% aus Resten der Möbelindustrie beigesteuert. Ebenfalls FSC-70-zertifiziert und genau wie das Altpapier aus Deutschland, also ohne lange Transportwege. So entsteht die bestmögliche ökologische Hybrid-Lösung.

Bis zum Ende gedacht

Damit wird bei der Herstellung des PooPick kein Erdöl verbraucht und im Gegensatz zu anderen Beuteln aus nachwachsenden Rohstoffen werden auch keine zusätzlichen Anbauflächen genutzt. Aber Christian geht einen Schritt weiter und verpflichtet seinen Transportdienstleister zum CO2-Ausgleich für jede Lieferung. „Im besten Fall sind wir irgendwann deutschlandweit im Handel, dann wird der Versand weiter reduziert und die Ökobilanz noch weiter verbessert.“ Bis dahin investiert PooPick weiter in die Umwelt und pflanzt für jede fünfte verschickte Packung einen Baum.

Bedruckt werden die PooPicks übrigens auch in Deutschland, natürlich in einer Druckerei, die nach hohen ökologischen Standards arbeitet.

Soziale Komponente

Die PooPicks landen vorgefaltet im Handel oder beim Endkunden. Auch für diesen Arbeitsschritt haben Christian und seine Mitstreiter eine vorbildliche Lösung gefunden. „Unsere komplette positive Umweltbilanz wäre dahin, wenn wir das in einem Billiglohnland machen ließen und dann nach Deutschland transportieren müssten.“ Stattdessen werden die PooPicks in einer Werkstatt für Menschen mit Handicap per Hand gefaltet und auch von dort verschickt. „Neben dem Gefühl, etwas herzustellen, verbessert diese Produktion bei den Mitarbeitenden die Ausdauer und die Fingerfertigkeit“, begründet Christian diese Entscheidung, die nach intensiven Gesprächen mit den verantwortlichen Ausbildern gefallen ist.

Vorläufige Bilanz

Das Unternehmen produziert jetzt seit Ende 2018 und die bisherigen Erfolge können sich sehen lassen. Bereits in 2019 sind durch den PooPick, bzw. das Nichtverwenden klimaschädlicher Plastiktüten etwa 40 Tonnen CO2 eingespart worden. In 2020 sollten es eigentlich rund 100 Tonnen sein, aber auch hier hat Corona die Pläne über den Haufen geworfen. „Aktuell gehen wir von etwa 50 bis 60 Tonnen aus, die durch unser Produkt in diesem Jahr an CO2 eingespart werden können“, sagt Christian und freut sich aber gleichzeitig über die hohe Akzeptanz bei den Endkunden.

Je nach Größe und gekaufter Stückzahl kostet ein PooPick ab 16 Cent. Das ist nicht viel, wenn man den Nutzen für die Umwelt betrachtet, aber eben doch mehr als die kostenlosen Beutel, die die meisten Kommunen zur Verfügung stellen.

Und wie wir mittlerweile selber feststellen konnten, ist der PooPick mit etwas Übung genauso schnell gefaltet wie eine Tüte. Er eignet sich für jeden Untergrund und ist auch bei Regen oder Durchfall absolut dicht. Dazu kommt, dass du ihn auch bedenkenlos in der Hand tragen kannst, wenn der nächste Mülleimer etwas weiter weg ist. Musst du allerdings nicht, denn das Unternehmen hat auch ansehnliche kleine Taschen für volle und leere Beutel im Angebot, die nach denselben Standards hergestellt werden.

Weitere Entwicklung

PooPick ist bereits für zahlreiche Preise und Auszeichnungen nominiert, unter anderem für den renommierten „Companies for Future-Award“. Und die Gründer um Christian Salzmann haben auch weitere Pläne: „Wir sprechen jetzt weitere Kommunen an, ob sie nicht unsere Spender mit unseren PooPicks aufstellen wollen“, sagt Christian und verweist auf die Selbstverpflichtung der Kommunen bis 2030 klimaneutral zu werden. „Wir können dazu einen wertvollen Beitrag leisten und die Mehrkosten sind absolut überschaubar“, erklärt Christian. So kostet der Außenspender aus Edelstahl einmalig 250 Euro, mit regelmäßiger Befüllung liegen die Kosten im Jahr bei etwa 2.500 Euro. Erste Gemeinden haben bereits umgerüstet, weitere Gespräche sollen jetzt folgen. Aber auch für Unternehmen kann PooPick eine ökologisch einwandfreie Investition sein. Denn jeder einzelne Beutel kann mit dem Firmenlogo bedruckt werden und so einen Werbeeffekt für alle Produkte rund um den Hund erzielen. Aktuell sind alle drei Gründer noch in ihren eigentlichen Berufen aktiv, weil sie PooPick aus eigenem Geld finanziert haben und eine Festanstellung daher noch nicht realisierbar ist.

Doch auch das hält sie nicht davon ab, den ökologischen Gedanken um PooPick weiter zu entwickeln: „Technisch ist es kein Problem, die Spender mit Sensoren zu befüllen, die ein Signal geben, wenn die PooPicks zur Neige gehen. Dann müssten nicht mehr regelmäßig alle Spender angefahren werden, sondern nur noch die, die zeitnah aufgefüllt werden müssen.“ Das wäre ein weiterer Schritt für CO2-Ersparnis, von der wir alle profitieren. Wir wünschen den Gründern von PooPicks weiterhin viel Erfolg bei ihrem ökologisch und sozial vorbildlichen Projekt. Und freuen uns, wenn diese Story dich dazu bringt, dich mit dem Thema zu beschäftigen.

Hier geht’s zu PooPick.

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