Die Not mit dem Kot

Jeder Hund muss mal. Kleine Haufen, große Haufen, einmal täglich, mehrmals täglich, mal mehr mal weniger stinkend. Wohin also mit den Hinterlassenschaften deines Hundes? Erstmal gehen wir davon aus, dass du brav alles wegräumst. Und nicht zu denen gehörst, die Städte und Gemeinden vor riesige Probleme stellen. Experten schätzen beispielsweise dass in Berlin pro Tag 55 Tonnen Hundekot auf Gehwegen und Straßen liegen bleiben. Das ist etwa das Gewicht von vier Reisebussen. Pro Tag!

Die richtige Tüte

Da du immer brav hinter deinem Hund sauber machst, stellt sich für dich sicher auch die Frage nach der richtigen Tüte. Es gibt die unterschiedlichsten Formen von Kotbeuteln: PE, HD-PE, Papier, biobasierte Kunststoffe, Oxo-abbaubare Kunststoffe, recycelter Kunststoff, Beutel aus Polyvinylalkohol, mit Duftstoffen, mit Griff …, die Liste der angebotenen Produkte lässt sich fast endlos fortsetzen. Experten schätzen, dass in Deutschland pro Tag 15 Millionen Hundekotbeutel benutzt werden. Eine unvorstellbare Menge an Plastik und Ressourcen.

Viele versuchen mittlerweile Kunststoffe jeder Art weitestgehend zu vermeiden, ein Ansatz, den wir gerne unterstützen. Allerdings ist die normale Papiertüte bei weichen Haufen im nassen Gras meist keine echte Alternative. Und wenn der nächste Mülleimer weiter weg ist, möchte kaum jemand das Risiko gehen, dass die Papiertüte aufweicht. Also doch Plastiktüten, aber welche? Eins vorweg, eine wirklich zufriedenstellende und kostengünstige Lösung gibt es bislang nicht.

Erste Ansätze

Aber die Hersteller fangen an, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Und bieten Tüten mit dem Aufdruck „bio“, „earth“, „friendly“, „kompostierbar“ an. Das meiste davon ist leider Augenwischerei. Denn kompostierbar darf sich ein Produkt nennen, wenn es nach 90 Tagen in einer industriellen Kompostierung zerfällt. Und den Oxo-abbaubaren Produkten werden Salze zugemischt, die in der Umweltbilanz negativ zu Buche schlagen.

Und auch wenn „Bio“ draufsteht, kann das bedeuten, dass der Beutel zwar aus biologischen Grundstoffen wie Mais oder Kartoffelschalen besteht, aber nicht biologisch abbaubar ist. Auch andersrum wird ein Schuh draus: PE-Beutel, die mit viel Erdöl hergestellt werden, können biologisch zersetzbar sein.

Entsorgung

Ähnlich verwirrend wie die Herstellungsprozesse verhält es sich mit der Entsorgung. Denn der Biobeutel gehört natürlich nicht in den Biomüll. „Weil sich Bio eben nicht ausdrücklich auf die Zersetzung bezieht, sondern auch auf die Herstellung, muss auch der Biobeutel im Restmüll entsorgt werden“, so eine Sprecherin der Abfallwirtschaft München. Und auch die „Recycling-Tüten“ gehören nicht in die gelbe Tonne. „Da ist zum einen die Gefahr, dass Erreger nicht abgetötet sind. Und vor allem wird in vielen Städten die gelbe Tonnen von Hand nachsortiert. Und das ist keinem Mitarbeiter zuzumuten.“ So eine Sprecherin des Verbands kommunaler Unternehmen.

Also egal wie dein Beutel hergestellt worden ist, am Ende gehört er in den Restmüll und verbrannt.

Kommunale Kosten

Städte und Gemeinden lassen sich die Entsorgung von Hundekot mittlerweile einiges kosten. So stehen in München, einer Stadt mit einem Hund pro 40 Einwohner, 820 Tütenspender, aus denen sich Hundehalter/innen kostenlos bedienen können. Und diese Tüten können in etwa 7.000 Abfallbehältern der Stadt und weiteren 3.000 – beispielsweise von Verkehrsbetrieben oder der Schlösser- und Seenverwaltung – entsorgt werden. Das trägt dazu bei, dass Hundekot problemlos von den Halter/innen beseitigt werden kann und Straßen und Gehwege sauberer bleiben. Aber es ist natürlich auch kostspielig. Alleine das Nachfüllen der Tüten kostet 60.000 Euro jährlich, Reparaturen und Instandhaltung der Spender kommen obendrauf.

Unser Fazit

Nach intensiver Recherche zu diesem Thema gibt es für uns zwei Wege, die wir unter Betrachtung aller Umstände für gangbar und sinnvoll halten. Da Hundekot aus den genannten Gründen immer über den Hausmüll entsorgt werden soll, kann umweltbewusstes Verhalten nur bei der Herstellung zum Tragen kommen.

Da gibt es zum Einen die kostengünstigere Variante, die darin besteht, auf Kunststoffe aus Recycling zurück zu greifen. Es bleibt PE, aber bei der Herstellung werden Ressourcen geschont. Wenn schon Plastik, dann wenigstens Recycling-Plastik.

Die zweite Variante, die tatsächlich ökologisch viel korrekter ist, sind die sogenannten PooPicks. Dabei handelt es sich um ein Produkt, das zu 70 % aus Recyclingpapier besteht. Um dem Ganzen mehr Festigkeit zu verleihen, werden 30 % frisches Papier zugemischt, das allerdings aus den Resten der Möbelindustrie stammt. Für den PooPick muss also kein Baum gefällt werden. Das Ganze wird mit einem Kleber aus Kartoffelstärke zusammengehalten. Hergestellt und bedruckt in Deutschland, werden die PooPicks in einer Werkstatt für Menschen mit Handicap gefaltet, haben damit also auch noch eine soziale Komponente.

Bleibt als einziger Punkt der Preis. Je nach Größe und gekaufter Menge sind die PooPicks mit 16 bis 30 Cent nicht ganz billig. Wir meinen allerdings, dass der Umweltvorteil dieses Geld auf jeden Fall wert ist.

Die Redaktion von gassi-guide ist deshalb komplett auf PooPicks umgestiegen. Und weil wir das Produkt und die Gründer so spannend finden, könnt ihr die komplette Geschichte hier lesen.

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