Anti-Jagd-Training von Pia Gröning

Die Mehrzahl unserer Touren ist absolut dafür geeignet, deinen Hund frei laufen zu lassen. Dort wo Leinenpflicht herrscht, haben wir das gesondert erwähnt. Aber das mit dem Freilauf ist ja nicht immer so einfach. Beispielsweise, wenn dein Hund einen ausgeprägten Jagdtrieb hat. Aber das muss keinesfalls heißen, dass dein Hund auch immer und überall angeleint sein muss. Es gibt Hundetrainer, die haben sich auf das Jagdverhalten spezialisiert. Zu den renommiertesten gehört sicher Pia Gröning, die neben der täglichen Arbeit zahlreiche Videos und Bücher veröffentlicht hat. Wir haben mit ihr über ihr ganz spezielles Anti-Jagd-Training gesprochen.

Pia, wer sich einen Jagdhund zulegt, weiß doch eigentlich, was auf ihn zukommt, wieso haben so viele Menschen Probleme?
Nun, zunächst gibt es ja immer mehr Menschen, die einen Hund aus dem Tierschutz nehmen. Das kann ein Jagdhund sein, die Entscheidung fällt aber bewusst so. Und dann muss man natürlich arbeiten. Und außerdem ist der Hund nun mal ein Jäger, das Problem betrifft also nicht nur die klassischen Jagdrassen oder deren Mischlinge.

Wir unterscheiden meist zwischen den Nasen- und den Sichtjägern. Also Hunden, die aktiv stöbern und denen, die auf Bewegungsreize reagieren. Wie sind deine Erfahrungen?
Grundsätzlich ist das natürlich auch abhängig von der jeweiligen Umgebung, in der du mit deinem Hund unterwegs bist. Aber beim Sichtjäger sind die Chancen eigentlich besser, den Jagdtrieb beherrschbar zu machen. Auch, weil du ja eine Chance hast, das Wild vorher zu sehen und dementsprechend reagieren kannst.

Die Menschen feiern dich für deine Erfolge, wie gehst du ein Anti-Jagd-Training an?
Es gibt zwei Ansätze, die aufeinander aufbauen. Zuerst arbeiten wir an der Orientierung. Das bedeutet, wir wollen, dass dein Hund etwa alle 50 Schritte nach dir schaut. Mit den entsprechenden Anreizen lässt sich das gut bewerkstelligen. Danach geht es an die Impulskontrolle. Viele wilde Jäger haben sich einfach emotional nicht im Griff. Sie sind heiß auf die Ausschüttung der Glückshormone, wenn sie hetzen. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass wir bewusst einen Bewegungsreiz setzen und den Hund klar zum Bleiben auffordern.

Das klingt schon ziemlich anspruchsvoll.
Ist es auch und zwar für Hund und Mensch, weil hier viel vom richtigen Timing abhängt. Noch anstrengender wird es dann im Gehorsamstraining. Hier setzen wir Stopps während der Nasen- oder Sichtarbeit. Und erwarten vom Hund, dass er mitten in seiner Lieblingsbeschäftigung innehält und sich auf uns fokussiert.

Das geht zum Beispiel, indem man nur antäuscht, das Leckerli für die Sucharbeit auszulegen und es in Wahrheit in der Hand behält. Der Hund komm also nicht durch Suchen zur Belohnung, sondern nur, wenn er wieder mit uns Kontakt aufnimmt.

Das ist dann aber schon die hohe Schule, oder?
Es ist nicht so kompliziert, wie es sich jetzt anhört. In der Praxis und vor allem, wenn man es auch sieht, ist es etwas leichter zu verstehen. Außerdem haben wir dann ja die Möglichkeit, individuell mit jedem Mensch-Hund-Gespann zu arbeiten.

(Zur Anschauung: Hier findest du Pias Themenüberblick als PDF.)

Pia, du lebst und arbeitest im Ruhrgebiet, nicht alle, die ein Problem mit dem Jagdverhalten ihres Hundes haben, können zu dir kommen.
Das muss auch nicht sein, wir arbeiten – übrigens auch schon vor Corona – auch mit online -Kursen. Neben Webinaren und Tutorials nutzen wir dabei Videoanalysen, die uns die Halter schicken. Und zeigen auch in Videos, was man möglicherweise besser machen kann. Und damit sind wir sehr erfolgreich. Wer aber den persönlichen Kontakt bevorzugt, kann sich auch eine/n Hundetrainer/in wenden, der bei uns gelernt hat. Denn wir geben unser Wissen auch gerne an Kolleg/innen weiter. Die Liste unserer Absolvent/innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz findet man unter www.hundetraining-jagdverhalten.de

Und wenn auch das nicht geht, gibt es natürlich zahlreiche weitere gute Hundetrainer/innen, die ihr Handwerk verstehen.

Und wie finde ich die?
Also ich würde erstmal darauf achten, dass gewaltfrei und wissenschaftlich fundiert gearbeitet wird. Mitgliedschaft in einem der anerkannten Verbände ist sicher auch nicht verkehrt. Und schließlich würde ich fragen, ob die/der Trainer/in Erfahrung mit meinem typischen Problem hat und sich mit der Rasse auskennt. Schon mal mit vergleichbaren Hunden gearbeitet hat oder vielleicht selber mit vergleichbaren Hunden lebt.

Pia Gröning arbeitet seit über 15 Jahren hauptberuflich als Hundetrainerin. Ihre Pfotenakademie sitzt in Marl, im nördlichen Ruhrgebiet. Pia arbeitet mit Struktur und Empathie an einem entspannten gemeinsamen Alltag von Mensch und Hund. Sie ist Autorin, gefragte Dozentin im In- und Ausland, Buchautorin und Gastreferentin bei verschiedenen Verbänden. Außerdem trainiert sie andere Trainer und gibt ihr Wissen in Online-Kursen, Hörbüchern und DVDs weiter. Mehr Infos über Pia findest du unter www.pia-groening.de oder www.pfotenakademie.de.

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