Keltenweg bei Bopfingen: Rundwanderung um den Ipf im Nördlinger Ries

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Diese herrlich entspannende Rundwanderung auf dem Keltenweg bei Bopfingen-Kirchheim führt uns durch ein echtes Bilderbuch der Erd- und Menschheitsgeschichte. 🌍🐕

Wir sind unterwegs im Nördlinger Ries, einer Landschaft, die vor rund 15 Millionen Jahren durch den Einschlag eines Meteoriten entstand. Mittendrin ragt der markante Zeugenberg Ipf auf, ein imposanter Berg, der stehen blieb, während weichere Gesteinsschichten ringsum über Jahrtausende hinweg von Wind und Wetter abgetragen wurden.

Der Keltenweg verbindet eindrucksvolle Natur mit faszinierender Archäologie. Die Rundwanderung führt über weite, von Schafen gepflegte Heideflächen, vorbei an uralten Siedlungsspuren und zu einem Ort, der einst zu den bedeutenden Machtzentren der frühen Kelten in Süddeutschland gehörte. Rund um den Ipf lebten hier vor mehr als 2.500 Jahren Menschen, deren Spuren bis heute sichtbar sind.

Gleichzeitig ist diese Tour vor allem eines: wunderbar entschleunigend. Weiche Wiesenpfade, weite Horizonte und immer wieder der Blick auf den Ipf machen die Wanderung zu einer Relax-Tour – für uns genauso wie für unseren Hund, der zwischendurch im Goldbach planschen kann. Besonders schön: Auch die frei zugängliche Keltenwelt am Fuß des Ipfs dürfen wir gemeinsam mit unserem Vierbeiner erkunden.

Und wer gegen Ende der Runde noch nicht vollkommen entspannt ist, setzt sich auf die große Schaukel auf dem Blasienberg und schwingt mit freiem Blick über die sanft gewellte Heidelandschaft hinüber zum Ipf und bis zum „Daniel“, dem markanten Kirchturm von Nördlingen. Traumschön.

Gleich zu Beginn und am Ende der Tour erwartet uns noch ein Stück jüngerer Geschichte: das ehemalige Zisterzienserinnenkloster in Kirchheim am Ries. Seine Ursprünge reichen bis ins Jahr 1267 zurück. Der Legende nach gelobte Graf Ludwig III. von Oettingen hier ein Kloster zu errichten, nachdem er bei der Jagd mit seinem Pferd im sumpfigen Gelände stecken geblieben war und nur knapp entkam. Der Graf hielt seinen Schwur.

Der Keltenweg ist rund ums Jahr ein Erlebnis, besonders schön bereits im Frühling, wenn in der Heidelandschaft die ersten Frühlingsboten blühen, darunter Küchenschelle oder Frühlingsenzian.

Die Wanderung verläuft größtenteils über offene Hochflächen, die keinen Schatten bieten. Ideal also für kühle, klare Tage oder die Übergangszeiten im Jahr.

🪧Die Wanderung ist durchgehend sehr gut beschildert. Wir folgen einfach den grünen Wegweisern mit der Aufschrift „Keltenweg“.

🥾 🐾 Unter Füßen und Pfoten: Fast durchgehend laufen wir auf weichen Wiesen- und Heidepfaden. Ein Traum für Hundepfoten. 🐾

⚠️🐕‍🦺Einige Abschnitte der Wanderung führen an Naturschutzgebieten entlang oder kurz hindurch. Dort gilt Leinenpflicht – entsprechende Hinweise beachten.

 

🗺️Wegbeschreibung: Wir starten am ehemalige Zisterzienserinnenkloster in Kirchheim am Ries.

Zunächst lohnt sich ein kurzer Rundgang über das Klostergelände. Die Stiftskirche beeindruckt mit frühgotischer Baukunst der Zisterzienser: Kreuzrippengewölbe und filigrane Maßwerkfenster prägen den Raum. Anschließend verlassen wir das Areal durch den Klostergarten, gehen durch eine Pforte in der alten Klostermauer und folgen dem Weg hinaus in Richtung Süden.

Schon bald sind wir mitten in der offenen Rieslandschaft unterwegs. Über weiche Gras- und Heidewege führt der Keltenweg zunächst über das Reimersbergele zum Langenberg. Der langgezogene Heidehügel bietet erste schöne Ausblicke über das Ries – und auf unser nächstes Ziel: den Goldberg.

Der Goldberg ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch archäologisch hochinteressant. Ausgrabungen haben hier Spuren von gleich mehreren Siedlungen freigelegt, die übereinander entstanden sind. Die ältesten Funde stammen aus dem 5. Jahrtausend vor Christus und gehören zur sogenannten Rössener Kultur. Damals stand hier ein kleines Dorf mit etwa zwanzig Pfostenhäusern. Über viele Jahrtausende hinweg lebten immer wieder Menschen auf diesem Höhenzug – bis in die Merowingerzeit.

Heute ist der Goldberg ein wichtiges Naturschutzgebiet mit besonders artenreicher Vegetation. Schafe halten die Landschaft offen und sorgen ganz nebenbei dafür, dass sich bestimmte Pflanzen ausbreiten – jene nämlich, die den Schafen nicht schmecken, darunter Arznei-Thymian, wilder Majoran, Silberdisteln, Golddisteln oder Zypressen-Wolfsmilch. Andere Pflanzen drücken sich so dicht an den Boden, dass sie den Mäulern entgehen wie etwa Katzenpfötchen oder Kugelblumen. Und im Frühling erscheinen mit Küchenschelle und Frühlingsenzian die ersten Farbtupfer der Saison, noch bevor die Schafe ausgetrieben werden.

Weiter geht es in Richtung Ipf. Schon aus der Ferne wirkt der mächtige Zeugenberg beeindruckend. Mit seinen 668 Metern Höhe ragt er deutlich aus der Landschaft heraus. Archäologisch ist er eines der bedeutendsten vorgeschichtlichen Kulturdenkmäler Süddeutschlands.

Am Fuß des Berges wurden in den letzten Jahren spannende Entdeckungen gemacht: große Grabhügel und keltische Hofanlagen, die auf einen Fürstensitz aus der frühen Eisenzeit hindeuten. In einigen dieser Gräber fanden Archäologinnen und Archäologen nicht nur Spuren lokaler Eisenverarbeitung, sondern auch mediterrane Importgüter, etwa griechische Amphoren oder Keramik aus Athen. Ein Hinweis darauf, wie weitreichend die Kontakte der keltischen Elite damals waren.

Direkt am Fuß des Ipfs befindet sich heute die frei zugängliche Keltenwelt. Hier wurden sogenannte Rechteckhöfe nachgebildet – keine exakten Rekonstruktionen, sondern Modelle, die zeigen sollen, wie solche Hofanlagen ausgesehen haben könnten. Palisaden umgaben die Gehöfte, in deren Zentrum oft ein besonders großes Haus stand. Hier lebte vermutlich die Familie, die das Sagen hatte und das auch zeigen wollte. Nicht anders als heute. 😊  Daneben gab es kleinere Gebäude, teilweise mit Böden unter dem Erdniveau.  Vieles deutet daraufhin, dass in diesen Werkstätten Eisen geschmiedet, Bronze gegossen oder Textilien verarbeitet wurden.

Nun folgt der Aufstieg auf den Ipf mit seiner Heidelandschaft. Der Weg führt durch eine Allee knorriger Bäume hinauf auf das Plateau. Oben sind die mächtigen Ringwälle und Gräben der ehemaligen Befestigungsanlage noch gut zu erkennen. Sie machen den Ipf zu einem der bedeutendsten vorgeschichtlichen Bodendenkmäler Süddeutschlands. Mehrere Hinweistafeln bitten darum, die historischen Wälle nicht zu betreten, damit dieses einzigartige Kulturdenkmal erhalten bleibt.

Die Atmosphäre hier oben ist etwas Besonderes. Wer ein wenig empfänglich dafür ist, spürt sofort die besondere Stimmung dieses Ortes – als würde die Geschichte noch immer in der Landschaft nachhallen.

Nach dem Abstieg führt uns der Weg über den Blasienberg zurück Richtung Kirchheim. Kurz vor dem Ziel wartet noch einer unserer Lieblingsorte der Region: die große Schaukel mit freiem Blick über das Ries. Ein perfekter Ort für eine Pause – bevor wir gemütlich zum Kloster zurückwandern.

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