Normandie mit Hund: unsere Tipps
Wenn wir in den Urlaub fahren, schaltet unser Hirn in den Explorer-Modus. Auch wenn wir mehrere Tage an einem Fleck verbringen, kehren wir nicht zweimal an dieselbe Stelle zurück. Denn hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken, dass wir unbedingt mitnehmen wollen. Schließlich weiß man ja nie, ob man jemals zurückkommen wird. Unser Urlaub an der Alabasterküste in der Normandie hat uns gelehrt, wie wunderschön ein Mix aus Entdecken und Innehalten, aus Neues-sehen und Wiedersehen, aus Wandern und Mußestunden im Garten sein kann. Für unseren erlebnishungrigen Amos ebenso wie für uns. Woran das lag? An unserem wunderschönen Ferienhaus, unserem fast magischen Ferienort Varengeville-sur-Mer im Département Seine-Maritime rund zehn Kilometer westlich von Dieppe, an Strand, Meer, Lage, Umgebung und Verkehrsanbindung. Und nicht zuletzt an unserer Familie, die uns begleitet hat und die unser Amos genauso liebt wie wir. ♥️🐶
Unser Lieblingsorte, Hundestrände und schönsten Wanderungen mit Hund in der Normandie, Empfehlungen für lohnende Ausflugsziele und Eindrücke aus dem Ferienhaus haben wir hier für euch zusammengestellt. Außerdem: jede Menge Wissenswertes zum Urlaub mit Hund in der Normandie und dem angrenzenden Pas-de-Calais (Hauts-de-France).
Normandie: Einreisebestimmungen für Hunde & Infos zu Leinen- und Maulkorbpflicht
Welche Dokumente benötigt mein Hund für die Einreise nach Frankreich?
EU-Mitglied Frankreich macht die Einreise für Menschen und die meisten Hunde unproblematisch. Für euren Hund genügt der EU-Heimtierausweis mit einer gültigen Tollwutimpfung und Chip oder Tätowierung zur eindeutigen Identifikation. An den Grenzübergängen gibt’s in der Regel keine Kontrollen.
Für welche Hunde gelten Sonderregelungen bei der Einreise?
Besondere Auflagen gelten für diese Vierbeiner:
- Kategorie 1: Hunde, die folgenden Rassen ähneln: American Staffordshire, Mastiff, Tosa und „Kampfhund“-Mischlinge. Wer unsicher ist, ob sein Hund für einen der genannten Rassehunde oder deren Mischlinge gehalten werden könnte, sollte sich eine – auf Französisch übersetzte – Bescheinigung eines vereidigten Tierarztes, einer vereidigten Tierärztin besorgen. Sonst könnte dein Hund an der Grenze beschlagnahmt werden.
- Kategorie 2: American Staffordshire und Tosa mit Stammbaum, Rottweiler und ähnliche Hunde mit und ohne Stammbaum. Anni von Hund im Gepäck schreibt dazu, dass sogar die französische Botschaft davon abrät, mit diesen Hunden das Land zu besuchen. Die Bedingungen für die Einreise seien für einen Urlaub kam zu erfüllen, weil die meisten Nachweise und Gutachten in Frankreich erbracht werden müssen.
Darf mein Hund in Frankreich mit in öffentliche Verkehrsmittel?
Kleine Hunde, die in eine Tasche passen, dürfen in der Regel alle öffentlichen Verkehrsmittel wie Busse oder U-Bahnen nutzen und reisen kostenlos. Große Hunde dürfen an der Leine ebenfalls mit, brauchen aber meist ein Ticket. Zur Sicherheit haben wir für unsere Hunde immer einen Maulkorb dabei, nicht nur in Frankreich. Hier ist der Maulkorb in manchen Zügen vorgeschrieben – und man weiß nie, wo das sonst noch der Fall sein könnte. Denn die Bestimmungen können von Kommune zu Kommune variieren. Bislang haben wir den Maulkorb noch bei keinem unserer Frankreichurlaube benötigt, auch nicht in der Bretagne.
Wann und wo darf mein Hund in der Normandie an den Strand?

In der Badebucht von Criel sind Hunde ganzjährig verboten.
Ebenso wie in der Bretagne finden wir auch in der Normandie einen Flickenteppich unterschiedlichster Regelungen für Hunde am Meer. Denn die Gemeinden bestimmen selbst, wie viele Freiheiten sie Vierbeinern an ihren Stränden gewähren wollen. Ver- und Gebote für Hunde betreffen nicht nur Monate, sondern auch Uhrzeiten – und können sich auch innerhalb einer Gemeinde unterscheiden. Zum Glück sind die jeweiligen örtlichen Regeln meist unübersehbar an den Zugängen zu den Stränden ausgeschildert.
An diesen Faustregeln kann man sich orientieren:
- Mindestens in der Hauptsaison von 15. Juni bis 15. August sind Hunde an den klassischen Badestränden der Normandie in den besonders beliebten Badeorten in der Regel verboten.
- An den weniger frequentierten Badestränden sind Hunde in der Badesaison mancherorts vor 8 bzw. 9 Uhr und nach 19 bzw. 20 Uhr an der Leine erlaubt. Wenn alle anderen Urlaubsgäste also noch beim Frühstück oder schon beim Abendessen sitzen.
- Außerhalb der französischen Sommerferien von Anfang Juni bis Anfang September sind Hunde an den meisten Stränden in der Bretagne geduldet, allerdings auch dann meist nur an der Leine. Wir haben oft gesehen, dass es viele Einheimische mit der Leinenpflicht allerdings nicht mehr so genau nehmen und ihre Wauzis freilaufen lassen. Wer Rücksicht auf Strandläufer*innen ohne Hund nimmt und sich ein wenig abseits hält, erntet auch keine bösen Blicke. Hier darf man auf das französische „leben und leben lassen“ setzen.

Typische Kiesbucht in der Haute Normandie: die Badebucht von Les Petites Dalles
Hundestrände in den Départements der Normandie
Der kontrastreiche Küstenstrich der Normandie reicht von Le Tréport ganz im Osten bis zum berühmten Mont Sant-Michel ganz im Westen. Aufgrund ihrer geologischen Besonderheiten lässt sich die Region in die beiden großen Bereiche Obere Normandie (Haute Normandie) und Untere Normandie (Basse Normandie) unterteilen.
Haute Normandie
Sie liegt im Nordosten und umfasst das Département Seine-Maritime. Hier zieht die Alabasterküste mit ihren dramatischen, steil aufragenden Felsen aus den jungen Gesteinen Kalk und Kreide viele Gäste an. Die Buchten sind oft klein, mit Kieseln belegt und schon früh im Jahr gut besucht. Vielerorts wie beispielsweise in Criel oder in der Badebucht von Les Petites Dalles sind Vierbeiner ganzjährig nicht am Badestrand gestattet. Doch auch in der Haute Normandie finden sich abgelegene wilde Strände und ausgewiesene Hundestrände.
Eine sehr gute Übersicht über die Hundestrände und Strandregeln in diesem Teil der Normandie haben wir auf chiennormandie.de gefunden.
Basse Normandie
Sie findet sich im Südwesten und erstreckt sich u.a. auf die Küsten-Départements Calvados und Manche. Geologisch dominiert der Granit, die Klippen sind niedrig mit kurzen felsigen Abschnitten, lange Badestrände prägen das Bild.
Im Calvados sind die Sandstrände an der Côte Fleurie (Blumenküste) besonders beliebt, insbesondere zwischen dem schönen alten Seebad Honfleur und Caen. Hier kann es im Sommer sehr voll werden – mit entsprechend wenig Freiheiten für Hunde. Zu den Gästemagneten im Calvados zählt auch die Côte de Nacre (Perlmuttküste). Hier liegen die endlos scheinenden Landungsstrände mit ihren ockergelben Felsen, die nicht nur Badefans, sondern auch Geschichtsinteressierte anziehen.
Eine sehr gute Übersicht über Hundestrände und Strandregeln für Hunde im Calvados findet ihr auf chiennormandie.de
Manche
Nach Angaben der Normandie-mit-Hund-Expert*innen von „Chien Nomandie“ ist die Manche das hundefreundlichste Département der Normandie. Zur Manche gehört die Halbinsel Contentin. Sie liegt im Norden des Départements, ist im Vergleich zum Calvados touristisch weniger frequentiert und bietet eine kontrastreiche Landschaft: flache Küsten, kleinen Inseln und Halbinseln, an der Westseite auch hohe Klippen und Dünen. An das Contentin schließen sich weite Strände an, die schließlich in die Bucht des Mont Saint-Michel auslaufen.
Auf chiennormandie.de gibt es eine sehr gute Übersicht über Hundestrände und Strandregeln mit Hund im Département Manche
Unseren absoluten Lieblingsstrand mit Hund in der Normandie haben wir einen Spaziergang von unserem Ferienhaus in Varengeville-sur-Mer im Département Seine-Maritime gefunden: die Plage de Petit Ailly.
Hier sind Vierbeiner ganzjährig willkommen. Bei Ebbe ist der Strand herrlich weit und sandig, dicke Felsbrocken recken ihre Moosbärte in den Himmel. Vor der beeindruckenden Kulisse steil abfallender Felsen sind wir hier stundenlang mit Amos an der Wasserlinie entlanggelaufen. Mehr braucht es nicht zum ganz großen Urlaubsglück.
Unser Traumurlaubsort: Varengeville-sur-Mer

Schon auf der Zufahrt zu unserem Ferienhaus in Varengeville-sur-Mer haben wir ihn gespürt, den Zauber dieser Siedlung mit ihren kaum 1.000 Einwohnern zwischen Klippen, Wäldern, Feldern und Meer. Ein Mix aus Geschichte und Natur, garniert mit Gelassenheit. Die Anwohnersträßchen führen vorbei an großen Gärten mit liebevoll restaurierten normannischen Häusern, renovierten umgebauten Ställen und Höfen, deren Fassaden den Stil vergangener Zeiten bewahren. Zwischen Hortensien, alten Steinmauern und schattigen Gärten entfaltet sich eine Atmosphäre, die zugleich kultiviert und bodenständig wirkt. Kein Wunder, dass der Ort schon früh zum Rückzugsort für Künstler und Intellektuelle wurde. Monet, Pissarro, Ruskin und vor allem Georges Braque fanden hier Inspiration; Braque wurde sogar auf dem kleinen Friedhof der Église Saint-Valéry beigesetzt. Die schlichte Kirche thront spektakulär direkt am Rand der Kreideklippen – ein Ort, an dem Himmel und Meer eins zu werden scheinen.

Kleine Kirche in dramatischer Lage: die Saint-Valéry.
Neben seinem kulturellen Erbe ist Varengeville-sur-Mer aber vor allem ein Paradies für Naturmenschen. Dichte Wälder, feuchte Niederungen, weitläufige Felder und die typischen Bocage-Hecken umgeben das Dorf und machen Spaziergänge mit Hund ebenso abwechslungsreich wie erholsam. Für Hundemenschen besonders wertvoll: die Plage de Petit Ailly. Der Strand gehört zu den wenigen entlang der Alabasterküste, an denen Vierbeiner ganzjährig willkommen sind. Bei Ebbe öffnet sich eine riesige sandige Fläche, perfekt für lange Läufe am Wasser, während die hohen Kreidefelsen ihre Farben je nach Licht und Tageszeit verändern. Ganz gegen unsere Gewohnheit sind wir immer wieder an diesen Strand zurückgekehrt. Achtung: Gezeiten berücksichtigen. Bei Flut bleibt kein Sandstrand!
Auch abseits der Küste zeigt Varengeville seinen besonderen Charme. Wir sind oft und gerne durch die ruhige Wohnviertel gestreift und haben immer wieder neue, mit viel Geschmack restaurierte Landhäuser entdeckt. Unser Vermieter erzählte uns, dass diese oft im Besitz gut situierter Pariser Familien oder Persönlichkeiten aus der französischen Mode- und Kunstwelt sind. Doch trotz dieser mondänen Einflüsse wirkt hier nichts aufgesetzt oder gar neureich. Alles fügt sich stilvoll in die historische Substanz ein.
Wer Highlife sucht, wird in Varengeville nicht fündig. Auch ein klassisches Zentrum gibt es nicht. Was wir gefunden haben: eine kleine Boutique, die Kleidung, Tischwäsche und mehr aus dem hier angebauten Flachs verkauft, vor allem aber Geschäfte für den täglichen Genuss, Bäckereien, Restaurants und Feinkostläden. Hier haben wir uns mit Leckereien eingedeckt – für gemeinsame ausgedehnte Essen im Garten unseres Ferienhaus. Lag’s am Zauber des Orts oder am Bäcker? Die Croissants haben uns – und unseren Amos – noch nirgendwo so gut geschmeckt wie hier. 😋
Varengeville hat es uns leicht gemacht, einmal zur Ruhe zu kommen und nicht jeden Tag zu neuen Zielen aufzubrechen. Das liegt auch an der Verkehrsanbindung. Der Ort liegt etliche Kilometer von der nächsten Bundesstraße oder gar Autobahn entfernt. Kilometer, die im Navi wie eine kurze Strecke scheinen, ziehen sich auf den Landstraßen erheblich in die Länge. Warum sollte man kostbare Urlaubszeit auf der Straße verbringen, wenn es vor Ort so schön ist, man zu Fuß so viel entdecken oder im Garten chillen kann? Eben. 😊
Auch wenn ihr eure Ferien nicht in Varengeville-sur-Mer verbringt, lohnt sich ein Besuch des Orts – in Kombination mit einer kleiner Hundewanderung.
Besonders schön ist der Spaziergang durch Wald und Feld zur Plage de Petit Ailly.
Ebenfalls sehr zu empfehlen: der Bummel durch den Ort zur Église Saint-Valéry und weiter zum Gorges de Moutiers mit einem Abstecher am Strand.
Steckbrief Varengeville-sur-Mer
- Gelegen in der Normandie im Département Seine-Maritime an der Alabasterküste (Côte d’Albâtre) in Nordfrankreich.
- Der Küstenort befindet sich rund 12 km westlich von Dieppe auf den berühmten weißen Kreidefelsen, die steil zum Ärmelkanal abfallen.
- Geologisch findet sich der Ort im Pays de Caux, einer typisch normannischen Hochfläche aus Kreidegestein mit tief eingeschnittenen Trockentälern und einer spektakulären Steilküste.
- Die nächste große Stadt: Rouen. Die Hauptstadt der Normandie punktet mit ihren historischen Bauten, ihrer Lage an der Seine und ihrer Weltoffenheit. Knapp 65 km von Varengeville-sur-Mer entfernt, eine knappe Stunde mit dem Auto.
Unser Traumferienhaus: The Pig House

Historische Fassade, liebevoll saniert
Unser Zuhause für die Woche in Varengeville-sur-Mer fanden wir in einem hunderte Jahre alten ehemaligen Schweinestall. Die Besitzer*innen haben das Gebäude um- und ausgebaut, die historischen Mauern und viele Details in den Innenräumen liebevoll erhalten, die Räume mit viel Gespür für Stil eingerichtet. „The Pig House“ liegt in einem ruhigen, eingewachsenen Garten mit Bäumen, Büschen, Gewächshaus und üppigen Hortensien. Von der Anliegerstraße aus ist das Grundstück nicht einsehbar. Das langgestreckte Gebäude geht hinter einem Zaun mit breitem Holztor in Deckung. Hinter dem Tor: der perfekten Rückzugsort für uns und unseren Amos.

Mußestunden mit Amos.
Schon am ersten Tag entwickelten wir ein eigenes Ritual: Mit dem Stand der Sonne zogen wir von Terrasse zu Terrasse. Frühstück auf dem Holzdeck gegenüber dem Eingang, später ein Kaffee auf der Kiesfläche in den gemütlichen Adirondack-Sesseln, der Sundowner hinter dem Haus auf den Liegen um die Feuerschale und das Abendessen schließlich im gemütlichen Esszimmer. Jeder Platz im Garten hat seinen eigenen Zauber.
Für uns – und besonders für Amos – war der Garten ein Glücksfall. Er ist komplett und ausbruchssicher eingezäunt. Wichtig für Amos, der nicht wegläuft, es aber mit seinem Wachhund-Job zu ernst nimmt. Im Garten konnte er sich frei bewegen, schlief mal eingerollt unter einem Busch, tauchte immer wieder auf, um Streicheleinheiten oder Leckerchen abzuholen. Und manchmal blieb er auch verschwunden. Dann fanden wir ihn in der ersten Etage vor unserem Bett. 😊

Rückzugsort unter dem Dach.
Das Haus selbst hat drei Schlafzimmer, eines davon mit angrenzendem Bad, eines mit zwei Doppelbetten und eines mit einem angrenzenden Ankleidezimmer samt Schreibtisch – perfekt, falls die Arbeit doch einmal kurz Aufmerksamkeit verlangt. Die Einrichtung ist stilvoll, nie überladen und verbindet die historische Substanz des Hauses mit modernen Akzenten. Ein gemütliches Wohnzimmer mit Kamin sorgt dafür, dass es auch an kühleren Abenden kuschlig wird.
Zur Ausstattung gehören u.a. eine gut eingerichtete Küche, zwei Bäder, ein Hauswirtschaftsraum mit Waschmaschine. Vermisst haben wir tatsächlich gar nichts.

Auch die Lage war für uns mit Hund ideal: Nur rund 2,5 Kilometer zur hundefreundlichen Plage du Petit Ailly, zu der wir fast jeden Tag gelaufen sind. Vor dem Start Gezeitenkalender checken. Denn bei Flut bleibt kein Strand für lange Spaziergänge!
Hinweis: Wir haben das Ferienhaus selbst ausgesucht und bezahlt. Keine Werbe-Kooperation.
Wandern mit Hund in der Normandie

Für Wandern und Genießen ist die Normandie ein Ganzjahresziel. Das beste Wetter erwartet euch natürlich im Sommer, in der Hauptsaison. Der Tourismus konzentriert sich auf die Strände und Seebäder. Einige Top-Naturattraktionen wie zum Beispiel die berühmte Porte d’Aval bei Étretat locken auch Spaziergänger*innen an. Doch die meiste Wanderwege sind selbst in der Hauptsaison nicht überlaufen. Außerhalb der französischen Sommerferien ist man vielerorts allein unterwegs.
Zwar sind die Wanderwege nicht so gut gepflegt und ausgeschildert, wie wir es von der Wanderhochburgen in Deutschland kennen, doch gerade an den Küsten haben die Gemeinden in den letzten Jahren nachgelegt, Wegweiser und Infotafeln spendiert. Und sie bemühen sich, die beliebten Wege zum Beispiel über die weißen Klippen von Étretat oder die Grandes Dalles und Petites Dalles in Schuss zu halten.

Blick auf die berühmte Porte d’Aval
Die für uns schönsten Wanderwege führen an den Küstenlinien entlang, oft mit Abstechern im bäuerlich geprägten Hinterland, wo wir auf weichen Wiesenpfaden zwischen Feldern und Weiden entlangspazieren. In der Normandie erwarten euch keine hohen Berge. Doch gerade im Département Seine-Maritime sind an den Steilküsten einige Höhenmeter zu bewältigen. Die Anstiege auf schmalen Pfaden können steinig, nach Regen rutschig, manchmal steil und stellenweise auch ausgesetzt sein. Hinzu kommt: Von jetzt auf gleich kann Seenebel aufziehen – so dicht, dass man kaum die Hand vor Augen sieht. Mit ein wenig Umsicht bleiben die Risiken aber selbst für Flachlandbewohner*innen mit ebensolchen Vierbeinern leicht beherrschbar.

Binnen weniger Minuten ist der Seenebel aufgezogen.
In der Normandie kann der Unterschied zwischen Ebbe und Flut gewaltig sein: Während sich bei Ebbe weite, breite Sandstrände vor euch auftun, kann bei Flut dieselbe Bucht kaum einen Fußbreit Platz für sicheren Stand bieten. Bestes Beispiel: die Bucht des Mont Saint-Michel. Hier zieht sich das Meer bei Ebbe 15 km und mehr zurück. Wer zu Strandwanderungen aufbricht, sollte darum vorher den Gezeitenkalender checken. Und sich sofort auf den Rückweg machen, wenn die Flut kommt.
Wanderregeln für Küste und Strand ⚠
Abstand zur Abbruchkante halten – auch der Hund
Wer zu nah an die Abbruchkante geht, riskiert einen Absturz. Denn immer wieder brechen Stücke aus dem Fels.
Sperrungen unbedingt beachten!
An den Steilküsten kommt es immer wieder zu Abbrüchen. Dann werden die Wege gesperrt. Sperrungen respektieren und ausgeschilderten Umleitungen folgen.
Bei Flut umkehren
Viele Buchten an der Steilküste laufen bei Flut komplett voll. Über die Felsen, die das Meer säumen, gibt es kein Entkommen. Deshalb: kein Risiko eingehen. Wenn das Wasser einläuft, nicht zu weit weg vom Strandzugang entfernen. Vor einer Strandwanderung Gezeiten checken. Und Wattwanderungen zum Beispiel zum Mont Saint-Michel keinesfalls ohne Führung unternehmen.
Vorgaben in Naturschutzgebieten einhalten
In der Normandie gibt es etliche Naturschutzgebiete, auch solche mit Zonen, zu denen der Zugang ganzjährig oder zeitlich begrenzt nicht gestattet ist, um beispielsweise Vögel zu schützen. Die jeweils geltenden Vorgaben für die Naturschutzgebiete (auf den Wegen bleiben, keine Blumen pflücken, etc.) sind ausgeschildert. In den Schutzgebieten gilt in der Regel Leinenpflicht. Wenn euer Hund nicht jagt, mit euch auf den Wegen bleibt und nicht viel los ist, kommt ihr mit einer Schleppleine meist gut klar.
Kot einsammeln und entsorgen
Kotbeutelspender haben wir nur hin und wieder entdeckt. Wer in der Normandie unterwegs ist, sollte deshalb eigene Beutel mitbringen – und die gefüllten Tüten in Mülleimern entsorgen. Eigentlich selbstverständlich. Doch an vielen Stränden lassen Hundeleute ihre Tüten offenbar gerne an den Strandzugängen liegen. Was immer mehr Gemeinden dazu veranlasst, ihre Hunderegeln weiter zu verschärfen. Auch deshalb bitte Rücksicht nehmen.

Durch die Felder mit blühendem Flachs.
Auf etlichen Wanderwegen auch außerhalb von Schutzgebieten sind uns Leinengebote aufgefallen. Was wir beobachtet und im Gespräch mit Einheimischen erfahren haben: Theorie und Praxis weichen oft deutlich voneinander ab. Wo wenig los ist, lassen Einheimische ihre Wauzis meist freilaufen. Wir haben es ihnen bald nachgemacht – natürlich mit Rücksicht auf andere Menschen, Wildtiere und Abstand zu Kühen. Amos hat die Freiheit fürs Toben und wilde Sprints genutzt. Herrlich.

Unsere schönsten Wanderungen mit Hund
Fast an jeden Urlaubstag sind wir zur nahen Plage du Petit Ailly in Varengeville-sur-Mer gelaufen oder durch den Ort und die umliegenden Klippen gestreift. Und wir haben Wanderausflüge in die Umgebung unternommen. Was wir unbedingt sehen wollten: die weißen Klippen von Étretat mit der berühmten Porte d’Aval. Künstler wie Claude Monet und Gustave Courbet haben die spektakuläre Felsformation, die uns an einen Elefanten erinnert, wieder und wieder gemalt. Bis zu unserem Urlaub kannten wir das Motiv nur von ihren Bildern. In Wirklichkeit ist die Porte d’Aval fast noch schöner. 😍🌊 Diese schöne Rundtour, die wir euch unbedingt empfehlen wollen, führt euch über die grasbewachsene Steilküste mit Blick aufs Meer zum Elefantenrüssel und mit einem Abstecher im Seebad zurück durch die Felder. Ein Traum!
Alle waren hier: Künstler*innen, Intellektuelle, Adelige, darunter auch die reiselustige Sissi, Kaiserin von Österreich. Die Rede ist von den „Les Grandes Dalles“ und „Les Petites Dalles“. Kleine Seebäder mit großer Tradition. Die Buchten begrenzen weiße Kreidefelsen, unterbrochen von kleinen Tälern, in denen es üppig blüht. Diese wunderschöne Runde führt uns über die Höhenzüge, mal direkt am oder über dem Meer, mal durch die Täler im Hinterland. Voller Kontraste und wunderschön mit Hund.
Wer wie wir Steilküsten liebt, für den lohnt sich der Ausflug nach Criel Plage. Denn über dem Badeort recken sich die Felsen bis zu 100 Meter hoch, so hoch wie nirgendwo anders an der Alabasterküste. Diese Rundtour bringt uns über schöne Wanderwege hinauf zum Aussichtspunkt Falaise de Criel und weiter durch Feld und Wald über den Mont Jolibois.

Wattwanderung zum Mont Saint-Michel
Zu den meistbesuchten Orten nicht nur in der Normandie, sondern in ganz Frankreich gehört die Felseninsel Mont Saint-Michel mit der gleichnamigen Abtei. Das UNESCO Weltkulturerbe erhebt sich weithin sichtbar aus dem Meer bzw. aus dem Watt. Ein Anblick wie aus einem Fantasy-Film. Kein Wunder, dass alle dorthin wollen.
Besonders spektakulär und traumschön mit Hund ist eine Wattwanderung durch die weite Bucht zur Felseninsel. Eine solche Wattwanderung sollte man aber nur als geführte Wanderung unternehmen. Tickets gibt es auch vor Ort. Viele Anbieter dieser geführten Touren nehmen angeleinte Hunde gerne in ihren Gruppen mit. Alternative zur Wattwanderung: der Fußweg über historische Pflastersteine. Im Gratis-Shuttle „Le Passeur“, der die Parkplätze mit der Felseninsel verbindet, sind Hunde verboten.
Für unsere Begriffe ist die Wanderung durchs Watt der eigentliche Höhepunkt des Ausflugs zum Mont Saint-Michel. Die Insel selbst ist schnell abgeschritten. Zur Abtei haben Vierbeiner – wenig überraschend – keinen Zutritt. Wenn ihr in einer Gruppe unterwegs seid und einige von euch die Abtei besichtigen möchten, müsst ihr dafür vorher Tickets buchen.

Tipp für einen Zwischenstopp auf der Fahrt in die Normandie
Wir sind vom Ruhrgebiet in die Normandie gefahren. Und wie immer auf unseren längeren Reisen haben wir einen Zwischenstopp für einen schönen Spaziergang mit Hund herausgesucht. Im Süden von Valenciennes, einer einstigen Kohle- und Stahl-Stadt nahe der belgischen Grenze, haben wir den Étang du Vignoble gefunden, ein See zwischen Scheldekanal und Feldern nahe der Autobahn. Wir sind mit Amos um den See spaziert, Planschpausen inklusive. Und wer mag, kann in einer Brasserie am See auch noch einen Happen essen, bevor es weitergeht.
Am alten Hafen von Honfleur.
Schöne Orte in der Nähe von Varengeville-sur-Mer
Wenn euch nach Wandern und im Garten chillen der Sinn nach einem kleinen, hundeverträglichen Stadtbummel steht, können wir diese Orte empfehlen:

Étretat
Das traditionsreiche Seebad mit seiner dramatischen Steilküste und den spektakulären Felsformationen bietet eine schöne kleine Altstadt. Hier gibt es natürlich viel Touri-Plunder, aber auch schöne kleine Lädchen mit netten Souvenirs, Boutiquen und Feinkostläden. Absolut lohnend: den Besuch mit der Rundtour über die Klippen zu verbinden. Für die gut 75 km von Varengeville nach Étretat sollte man deutlich mehr als 1 h Fahrzeit kalkulieren.

Dieppe
Wo der Arques in den Ärmelkanal mündet, liegt Dieppe. Ihren Namen verdankt die Stadt mit immerhin knapp 30.000 Einwohnern der tiefen, natürlichen Hafeneinfahrt (dieppe = deep = tief), die sie für den Seehandel schon vor hunderten von Jahren ideal machte. Rund um den Fischerei- und Seehafen atmet der Ort Geschichte. Schön für einen Bummel, Kaffee trinken, Muscheln Essen und Einkaufen.

Honfleur
Das Fischer-Städtchen Honfleur an der Blumenküste gilt als Perle der Normandie. Zu Recht. 😊 Hier schlendern wir durch mittelalterliche Gassen, vorbei an schmucken Fachwerkhäusern mit Cafés, Boutiquen und Restaurants und den Resten der Befestigungsanlage aus dem 17. Jahrhundert. Eine Kulisse, die Maler wie Claude Monet, Renoir, Cézanne, Courbet, Sisley und Jongkind immer wieder festgehalten haben. Kaffee trinken lässt es sich besonders schön am Vieux Bassin, dem alten Hafenbecken. Ein Abstecher zur nahen Seinemündung lohnt sich ebenfalls. Honfleur liegt rund 100 km entfernt von Varengeville, über die Autobahn in knapp 1,5 h gut zu erreichen.
Ausflüge ins Pas-de-Calais: unsere Tipps

Blick auf das Cap Blanc Nez
Wer von der Normandie weiter nördlich am Ärmelkanal entlang fährt, steht bald im Pas-de-Calais. Eine Region, die es in Sachen landschaftlicher Schönheit unseres Erachtens sehr wohl mit ihren Nachbarinnen Normandie und Bretagne aufnehmen kann. Steile Kreideküsten, tief eingeschnittene Buchten, traditionsreiche Seebäder, Blumenwiesen und Felder, dazwischen viele geschichtsträchtige Orte aus den beiden Weltkriegen. Hier, wo der Ärmelkanal besonders schmal ist, scheint die Kreideküste von Großbritannien zum Greifen nah.
Für ausgedehnte Wanderungen mit Hund eignet sich die Opalküste im Pas-de-Calais ganz wunderbar, finden wir. Besonders gut hat es uns im Naturpark Caps et Marais d´Opale – und hier vor allem in der wenig touristischen Bucht von Équihen-Plage gefallen, die sich bei Ebbe für lange Strandspaziergänge anbietet. Absolut empfehlenswert sind unseres Erachtens auch Wanderungen auf dem Klippenpfad über dem Seebad Wissant sowie um die Caps Blanc Nez und Gris Nez.
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